An den Seilen können kleine Muskelgruppen mit Erfolg für den ganzen Körper trainiert werden

Südkurier „Gesundheit“, August 2014

Das Resultat können Fehlhaltungen und Verspannungen bis hin zu chronischen Beschwerden sein. Nun nützt es aber wenig, nur die großen Muskelgruppen zu trainieren. „Dies verbessert zwar die Kraft, allerdings nicht die Steuerung des Muskels, die für eine Stabilisierung wichtig ist“, erklärt Physiotherapeut Clemens Simoneit von der Firma Redcord in Langenargen. Genau hier setzt sie mit ihrem Therapiekonzept der Neuromuskulären Aktivierung – kurz Neurac – an. Es trainiert die gelenknahen kleinen Muskeln, und fördert so das Zusammenspiel der Muskelgruppen und damit die Stabilität.
„Neurac ist die ideale Therapie bei allen Problemen, die mit Gelenken und Muskeln zu tun haben.“ Beispiele sind Kopfschmerzen, Nacken- und Rückenschmerzen, aber auch Kniebeschwerden.
Kräftigende Übungen in schwingenden Seilen – das ist die Basis der Behandlung mit Neurac, die zu Beginn der 1990er Jahre in Norwegen entwickelt wurde und wissenschaftlich begleitet wird. Über 90 Prozent der norwegischen Physiotherapeuten nutzen diese aktive Trainingstherapie insbesondere zur Rehabilitation bei Knie-, Hüft- und Wirbelsäulenproblemen. „Der Patient trainiert ohne Gewichte mit dem eigenen Körpergewicht in einem System aus frei beweglichen roten Seilen und Schlingen, die von der Decke hängen“, erläutert Clemens Simoneit.
Balance halten
Die Herausforderung bestehe darin, ständig die Balance zu halten und Bewegungen auszugleichen. Die Grundlage bilden dreidimensionale Übungen, die das Zusammenspiel des zentralen Nervensystems mit den lokalen Muskeln fördern. „Dabei geht es in erster Linie darum, dass verlernte Bewegungsmuster, nämlich die Verbindung zwischen Kopf und Muskel, wieder hergestellt werden“, betont der Physiotherapeut. Dabei stehe am Anfang immer die Suche nach der Ursache des Schmerzes. „Bei mehr als 50 Prozent der Patienten liegt sie woanders oder ist die Folge einer Fehlhaltung“, weiß Clemens Simoneit.
Erstmals in der Praxis
Den ersten Kontakt mit Neurac haben Patienten in der Regel in einer physiotherapeutischen Praxis. „Über Expander reduzieren wir das Körpergewicht so lange, bis die gewünschte Bewegung möglich ist“, beschreibt er die Vorgehensweise. Zusätzliche Vibrationen auf die Seile sorgen für weitere Impulse, die die neuromuskuläre Aktivierung unterstützen. „Wenn das Gehirn wieder spielerisch das richtige Bewegungsmuster findet, kann der Patient in kürzester Zeit Bewegungen halten, die zuvor nicht möglich waren.“ Dafür reichen in der Regel bereits vier bis sechs Sitzungen beim Physiotherapeuten.
Training zu hause
Idealerweise trainiert der Patient jedoch im Anschluss selbst regelmäßig weiter. Dafür reichen normalerweise zwei Trainings à 15 Minuten pro Woche, beispielsweise mit dem Redcord Mini, einem mobilen Trainingsgerät für zu Hause. „Auf eigene Faust sollte aber niemand trainieren“, rät Clemens Simoneit.

„Es ist immer eine Einweisung durch einen ausgebildeten Therapeuten nötig.“ Viele Neurac-Schwerpunktpraxen bieten zudem Gruppentraining.Das Konzept kommt gut an: Die Übungen sind zwar anstrengend, machen aber Spaß, denn durch das wackelige Schwingen wirken sie sehr spielerisch. „Das fordert Kraft und Konzentration, erinnert viele Patienten aber auch an Spiele aus ihrer Kindheit und weckt Lebenslust.“ Neben der Reduzierung von Schmerzen sei ein wichtiges Ziel, die Mobilität im Alter so lange wie möglich zu erhalten. So sei Neurac auch bestens geeignet, zu mehr Beweglichkeit und einem selbstbestimmten Leben im Alter beizutragen. Clemens Simoneit denkt aber auch an betriebliches Gesundheitsmanagement. „Der Vorteil ist, dass die Geräte fast keinen Platz benötigen.“ /Claudia Wörner

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Quelle: Suedkurier.de /Claudia Wörner